Aus dem Leben eben

27 Mar 2017

Und diese weissen, reinen Seiten wollte ich doch mit leichten, schönen und warmen Zeilen beschreiben. So hab ich gedacht. Doch Authentizität lebt wohl aus dem Moment heraus. Ich möchte hier vom Leben leben erzählen. Tiefe, die an die Oberfläche durchschimmern darf.

 

Vom Leben wie es eben ist. Echt und pur.

 

 

So lasse ich hier Zeilen sprechen, die vor einigen Wochen geschrieben wurden. Damals, als neanoa noch am entstehen war. Damals als alles gerade etwas schwierig war. Damals als mich das Leben wohl besonders geprüft hat. Doch diese eine Woche war so wichtig für mich. Für das Entstehen von kleinen, feinen Träumen. Um dann zu meinen, dass es ein Zeichen hätte sein können es nicht zu tun. Ich meinte aber, es nun genau darum zu tun. Denn die Herausforderungen, die einem das Leben stellt, lassen Mut wachsen und die eigene Stimme stärker und bestimmter werden. So war ich geduldig und vertraute dem Leben. Es fühlte sich an wie Loslassen. Wie leichter werden. Und ich war dankbar für das Leben wie es mir begegnet. Immer wieder. Das Leben eben.

 

 

Zeilen, geschrieben damals im Januar

 

Annehmen. Aushalten. Durchatmen. Loslassen. Es ziehen lassen. Und weiter geht’s.

 

Und da gibt es diese Tage, in denen einem das Leben als riesige Herausforderung gegenübertritt. Schwere Worte. Sie kommen leise aus dem Fass all der prüfenden Momente der letzten Tage. Dort wo Müdigkeit, Ärger, Enttäuschung, gar Verzweiflung Boden zum Wachsen fanden und sich leise in Unruhe in Körper und Geist ausbreitete. Dieses Gefühl von Rastlosigkeit. Davon dass man den Ereignissen des Tages nicht traut, sie einen überfordern.

 

Luft raus lassen. Ballast abstellen.

 

Sich frei machen von Negativem. Loslassen. Freisein.

 

Streben nach Ruhe. Nach mehr Sein. Nur das. Nur jetzt. Vielleicht nur für diesen kurzen Moment.

 

Und in der Stille besinne ich mich. Leben ist. Leben passiert. Leben als eine einzig grosse Prüfung. In allem was ich bisher erlebt habe. Da gab es schwierige Momente, denn Leben kann manchmal auch ganz schön anstrengend sein. Es ist nicht immer einfach fortzuschreiten. Einen Fuss um den anderen. Manchmal braucht es dazu ganz schön Mut, Kraft, Wille, Geduld und Zeit. Aber seit ich denken kann meine ich zu wissen, dass es das Leben gut mit mir meint, so lange ich mit ihm gut umgehe.

 

Ich meine zu wissen, dass es mir gerade die Herausforderungen im Leben stellt, die ich brauche um zu Wachsen.

 

Als Mensch in Geist und Seele. Um Voranzukommen. Herausforderungen um Mensch zu werden. Facettenreicher, weiser und reicher. Ich vertraue voll und ganz darauf, dass es mir die richtigen Herausforderungen stellt. Nichts ist umsonst. Nichts geschieht einfach so. Ein Prozess dies zu verstehen. Dies zu akzeptieren. Darauf zu vertrauen und zu bauen.

 

Und dann fühlt es sich an wie Loslassen. Wie leichter werden.

 

Ich meine zu wissen, dass man keine Fragen stellen sollte. Loslassen. Vertrauen. Die Herausforderung annehmen. Ich mag diesen Prozess inzwischen. Man lehrt unglaublich viel. Über sich, die Menschen, den Zyklus der Natur und der Gesellschaft.

Das Leben prüft mich. Es testet mich. Lenkt mich. Und schlussendlich wähle ich die Richtung. Setze ich meine Füsse einen vor den anderen in die von mir gewählte Richtung.

Da sind gerade viele Steine. Viele kleine picksende Steine. Ein Ozean voller kleiner Steine. Ich stehe am Ufer und weiss dass sich das Meer mir öffnen wird. Ich muss nur geduldig genug sein solange am Ufer stehen zu bleiben. In Ruhe und volle Kraft und Wille diesen Weg beschreiten zu wollen.

 

In einer Woche, in 7 Tagen, in 168 Stunden drängt sich mir die arbeitsintensivste Woche seit den wohl letzten 5 Jahren auf. Aufgaben denen ich mich nicht gewachsen fühle, da sollen Entscheidungen her, die ich lieber lassen würde. 168 Stunden in denen ich zwischen Arbeit und Zuhause hin und her pendle und meine Zeit, meinen Alltag, meinen wunderbar von uns abgestimmten Alltag Zuhause vermisse. Ich merke, dass ich Grenzen habe alles optimal miteinander zu vereinbaren, so wie ich mir dieses Optimum denn mal vorstelle. Da gab es schwierige Gespräche ohne dass ich mich darauf vorbereiten konnte. Ist manchmal besser. Ehrlicher. Auch das weiss ich nun. Da sind Elternabende in dieser Woche, Arztbesuche. Alles zwischen dem Einen und dem Anderen wahrzunehmen. Da fallen jegliche Systeme in 168 Stunden aus. Internetverbindung kaputt. Software geht nicht mehr. Alles auf Werkzustand. Minuten über Stunden, die es eigentlich nicht gibt gehen da drauf. Und wenn alles wieder funktioniert, dann steigen dann sicher noch das Modem aus und der elektrische Anschluss zum Haus geht auch noch defekt. Ruhe bewahren. Es sind alles Dinge die wieder funktionieren werden. Freundlich und gelassen bleiben und dabei die weisse Wohnzimmerwand stumm anschreien. Und vielleicht ein zweites Mal. Weiss und stumm kann manchmal auch ganz schön provozierend sein. 7 Tage in denen jeglicher digitaler Kontakt zur Aussenwelt von Zuhause abbrach. Eigentlich nicht so schlimm. Ich mag Ruhe, Pause, einen cut zwischendurch. Aber nicht wenn man sich genau in diese Zeit dazu entschieden hat die ersten Schitte für neanoa zu tun.

 

Es hätte ein Zeichen sein können es nicht zu tun. Ich meinte, es nun genau darum zu tun.

 

Steine werden einem manchmal auch ganz schön oft in den Weg gelegt, wenn einem das Leben prüft. Ob Wille, Mut, Entschlossenheit, Bewusstsein da sind. Ja ich wollte dies. Jetzt so richtig. Und so hatte ich auch die Musse zu warten. Tag für Tag und währenddessen wusch ich weisse Leinenvorhänge. Stroganoff im Topf und Birkenstock auf dem Boden waren schuld. Ich hatte Zeit meine Papieragenda während 2 Stunden zu suchen. Obwohl es bei uns nicht viel zu suchen gibt. Ich mag Ordnung. Ordnung erleichtert mir das Leben oder lässt mir mehr Zeit um zu leben. Zwei Stunden in denen ich suchte und beinahe an meinem Verstand zweifelte. Und dann kam mein kleines Kind nach Hause und meinte «ach die? Die mit der grünen Schleife drum? Die? Ja, die liegt bei mir in meiner Schreibtischschublade» Wenn Verhalten einfachmal aus der Reihe kippt. Dinge unerklärlich passieren. Zum ersten und letzten Mal. Dachte ich. Einen Tag später hörte ich die Stimme meines kleinen Jungens, der sich für die Schule schon mal Schuhe und Jacke anzog «Du Mami, wo hast du eigentlich heute deine Agenda, eingepackt?» Nichts da. Schmunzeln. Abschiedskuss. Und ich nahm Mantel und Tasche und- und meinen Autoschlüssel um zur Arbeit zu gehen. Eigentlich, denn war keiner mehr. Schmunzeln im Gesicht und Ärger im Gefühl. Zwei, drei suchende Blicke. Nichts.

 

Wenn man zu spät zur Arbeit kommt. Und es gar nicht so schlimm ist. Wenn man sich vergessen hat zu schminken. Und das Spiegelbild dann gar nicht so wichtig ist. Eigentlich.

Dass man Hilfe annehmen darf wenn einem im Lift die gesamte Einkaufstasche reisst und der ganze Inhalt im offenen Lift sich auf dem Boden verteilt. Und dass ein anschliessendes ehrlich gemeintes Danke dann auch schon genügt. Dass es okay ist, wenn man auf eine neue Küche 2 Monate wartet wenn Schreiner und Koordination nicht zusammenpasst, auch wenn man den Küchlschrank schon geleert hat. Der kann wieder neu befüllt werden. Wir können das. Ausser die Geschäfte haben schon alle zu. Essengehen ist toll. Auch mit müdem Kind im Pyjama, um dann gemeinsam fette Burger auf dem Autorücksitz zu essen. Und auch dass geht,  man darf. So vieles ist okay, ohne dass man dafür einen wirklichen Grund haben muss. Ich glaube wir machen das wieder. Und im Pyjama essen zu gehen ist eigentlich auch ganz praktisch. Auch das weiss ich jetzt.

 

Dass es okay ist Dinge zu vergessen. Dass ein ehrliches Tut mir leid auch leicht über die Lippen fallen kann. Und es danach gar nicht mehr viele Worte braucht.

 

168 Stunden. Ganz schön viel für eigentlich ganz wenig Zeit. Und vielleicht hilft da dieses zufriedene Schnarchen, das man abends leise aus dem Zimmerchen hören kann. Dass man ein Zuhause hat indem man in  Wärme und Liebe gehüllt ist und eins mit seinen Gedanken werden kann, eine ganze Menge. Dass man Gedanken zu Wort bringen kann. Wort zu Papier. Papier zu Erkenntnis. Erkenntnis zu Ruhe. Ruhe zu Vertrauen. In alles Weitere. Immer wieder.

 

So tippe ich weiter. Ohne Verbindung in die Aussenwelt. Und das ist okay. Wenn die Zeit reif ist für mich, für diese Zeilen. Dann, ja dann geht auch das wieder…

Eins nach dem anderen.

 

Loslassen. Freisein.

 

Streben nach Ruhe. Nach mehr Sein. Nur das. Nur jetzt. Vielleicht nur für diesen kurzen Moment.

 

Vertrauen.

 

In diese wunderbaren Herausforderung. Herausforderung Leben. Das Leben eben.

 

Vertrauen.

 

 

Nachtrag

Am nächsten Abend nachdem ich diese Zeilen geschrieben habe erzählte mir mein kleiner Junge eine Geschichte, die er neulich im Unterricht hörte. Die Geschichte des jungen Noah. Der für all seine Mühe und sein Warten belohnt wurde. Und das gerade jetzt. Zu diesem Zeitpunkt. Wie wunderbar dieses Leben doch spielen kann. Ich gab ihm einen Kuss auf die Stirn und bedankte mich für diese schöne Geschichte.

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Über neanoa

"Nea" steht für "neu" und "Noa" für "bewegend" wie auch "ruhend". Etwas Neues, das (Mama)-herzen berührt, sie bewegt und ans Wesentliche erinnern lässt. Hier soll der Sinn in all seiner Tiefe & das Sein in all seinem Schönen gleichermassen Platz zum Wachsen und inspirieren haben. Schlicht, ehrlich und dem Leben ganz nah.  

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