you are enough, a thousand times enough

31 May 2017

 

 

Und da sass ich an diesem Tisch, erschrocken über den Ton und die Intensität meiner Worte. Worte an mein Kind.

 

Erschrocken darüber, dass ich mich nicht gespürt hab. Unkontrolliert, unerwartet und überrollt haben sie mich, diese Worte.

 

Erschrocken darüber, dass das Fenster weit offen stand.

 

Und erschrocken darüber, dass mein Kind den Mittagstisch einfach verliess, still in sein Zimmer ging und die Türe hinter sich schliess. Zu war sie, wie sonst selten.

 

Erschrocken und enttäuscht, vor allem aber das. Von mir, von mir als Mama.

 

Denn es gibt sie, diese einen kurzen und ach so fiesen Momente, die all die Ruhe und Harmonie die sonst den Alltag einnehmen, verdrängen und sie in einen grauen Nebel hüllen. Auch wenn diese Momente, in denen wir mit unseren Kindern voller Liebe leben, ihnen eine Kindheit und Erinnerungen schaffen, viel grösser und in der Menge mehr sind, schafft es dieser Nebel doch die anderen Momente in den Schatten zu stellen und nimmt ihnen das Licht. Und die Enttäuschung macht sich breit. Dises fiese Gefühl das eigentlich nicht sein muss.

 

Denn war es doch nur ein Satz eines Interviews, das bis dahin eher unbemerkt am Radio lief, das plötzlich meine ganze Aufmerksamkeit hatte. Weil ich es nun eben einfach hören wollte ehe es zu ende war. Und nach dem 2. Mal "psst" -

 

Ende.

 

 

Meine Stimme war laut vor Ärger und meine Hand musste wohl laut auf den Holztisch geklatscht haben, wie ich es wohl selten oder noch nie tat. Denn man muss wohl erschrecken, wenn Verhalten unangemessen, unvorhergesehen, zu überladen daherkommt. Das verstehe ich.

 

Denn diese Zeit am Mittagstisch geniesse ich immer sehr. Es ist unsere Zeit wenn wir uns einander vom Morgen erzählen. Wenn ich teilhaben darf an dem was er erlebt, wie er denkt und fühlt. Es ist aber auch die Zeit in der auch ich einen Morgen hinter mir habe, reich an Eindrücken, an Dingen die mir manchmal noch immer im Kopf umherschwirren und mich mahnen Wichtiges nicht zu vergessen. Manchmal auch weniger wichtiges. Ein Morgen der vielleicht von Stress geprägt war, welcher nicht immer bei der Arbeit zurückbleibt. Ein Morgen mit einem Mittag mit Augenringen und Augenlider die schwer ins Gesicht hängen und ein Kopf der nur langsam denkt.

 

Alltagssituationen? Völlig normal? Ja, das ist es wohl. Und dennoch, ich mag das nicht und ich denke, dass das auch nicht so sein muss. Denn auch wenn das Verhalten meines Kindes nicht okay war, und er sich in Rücksicht lernen soll, so erwarte auch ich von mir, als Mama aber auch als Mensch, dass ich bei mir bin. Denn Worte die ruhig und mit Bedacht gesprochen werden, haben mehr Kraft. Werde ich emotional wird mein Kind auch emotional. Stehe ich ihm gegenüber aber mit kraftvollen Worten, so hole ich ihn da ab. Denn diese Kraft von Ruhe und Gelassenheit ist immer stärker.

 

Und während man so da sitzt, aufsteht und erstmal das Fenster schliesst und sich auf den Boden setzt um eben an diesen Boden zurückzugewinnen oder mal eben das Geschirrtuch in den Ecken wirft um mit Kraft neue Kraft zu erlangen, da bräuchte man jemand, der zu einem sagt, dass wir gut genug sind. Dass wir genug an Mama sind. An liebenden Mamas. Dass wir eben auch nur Menschen sind. Die noch lernen müssen. Die auf dem Weg sind. Dass wir genug sind. Gut genug.

 

Doch wie das Leben eben so spielt, liegt es genau in Situationen wie diesen an uns, dass wir uns selbst die Kraft geben, uns darin zu sehen. Richtig zu sehen.

 

Denn das Gefühl von Enttäuschung spüren wir doch eben genau darum, weil wir so voller Liebe für diese uns anvertrauten Wesen sind. Weil wir immer unser Bestes geben wollen auch wenn wir nicht immer in der Lage sind es auch tun zu können. Aber auch weniger als das Beste ist gut genug.

 

 

In Momenten wie diesen sollten wir uns selbst sagen, dass wir gut genug sind. Dass es okay ist, dass wir uns unseren Kindern auch schwach zeigen dürfen. Weil wir wir sind.

 

In Momenten wie diesen sollten wir uns sagen: "Du bist gut genug".

 

You are enough.

 

A thousand times enough.

 

Vielleicht aber ist es auch genau dies eine unserer Aufgaben als Mamas, die wir unsere Kinder lernen müssen.

 

Dass wir uns wieder sammeln. Sanft an die Tür klopfen und uns neben unser Kind setzen und mit wenigen einfachen und klaren Worten einfach entschuldigen. Nicht für den Inhalt aber für die Art und Weise wie wir ihn gesprochen haben.

 

Wenige Worte reichen, denn Kinderhände liegen schnell tröstend auf der eigenen. Und fühlen. Denn Kinder sind mitfühlend. Und sie spüren, dass es notwendig und natürlich ist, aufeinander zuzugehen. Eigenes Verhalten zu reflektieren und Schwäche zu zeigen. Denn das alles hat Platz. Ohne Schwäche keine Stärke.

 

You are enough. A thousand times enough.

 

Immer und immer wieder.

 

Und genau dann, wenn man eben meint es am wenigsten zu sein.

 

Genau dann.

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Über neanoa

"Nea" steht für "neu" und "Noa" für "bewegend" wie auch "ruhend". Etwas Neues, das (Mama)-herzen berührt, sie bewegt und ans Wesentliche erinnern lässt. Hier soll der Sinn in all seiner Tiefe & das Sein in all seinem Schönen gleichermassen Platz zum Wachsen und inspirieren haben. Schlicht, ehrlich und dem Leben ganz nah.  

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