Vom Entscheid zur eigenen gesunden Esskultur mit Kind

17 Apr 2017

 

 

Und ich kann mich noch gut an den Tag erinnern als ich meinte ich müsse stur sein. Und mein Kind auch. Als ich meinte, die gängige Idee, von Esskultur an unserem Mittagstisch durchsetzen zu müssen. Beharrlich zu sein. Ein Nein nicht zu akzeptieren. Und so kam es, dass ich mich in einem Ton vergriff den ich eigentlich zu vermeiden versuche. Das Kind war wütend, wohl auch traurig. Es flossen Tränen. Gegessen wurde nichts mehr. Ich war enttäuscht, von der Situation und von mir. Es war eine Stunde rum, die Stimmung schlecht, der Teller noch immer unberührt. Es galt dann die erreichte Grenze zu akzeptieren. Beruhigen. Sich finden um anschliessend wieder aufeinander zuzugehen. Es war das Gefühl da, als Mama nicht gut genug gehandelt zu haben. Das Kind mit Ton und gehässigem Verhalten verletzt zu haben. Und dieses Gefühl zerrt ganz schön an den Kräften. Eine Unruhe über der es erst einmal darüber zu stehen gilt. Manchmal auch erst am Abend, wenn Luft zum Verschnaufen da ist. Zum anderen paradoxen dachte ich, dass ich es nicht geschafft habe das Kind «gehorsam» zu machen. Dass mein Kind sich partout nicht so verhalten hat wie ich es von ihm erwartet, gar gefordert habe. Und das obwohl ich das Wort Gehorsam eigentlich so gar nicht mag. Ich bin generell eher der Ansicht, dass Kinder nicht erzogen werden sollten wohl eher begleitet.

 

 

Und dann gibt es da ja noch all die anderen Geschichten von Kindern die alle vergnügt oder weniger vergnügt, aber auf jeden Fall ihr Gemüse, ihre Früchten essen, die ihnen auf ihren Tellerchen serviert werden. Da sind Mütter denen es gelingt. Mütter die Kinder haben die «gesund» essen (manchmal sogar freiwillig). So wie Kinder es ja tun sollten. Kinder können das schliesslich ja lernen. 10 mal probieren und beim 10.Mal schmeckt es dann schon. Wir sind beim 1.mal oder sicherlich beim 2.Mal schon gescheitert. Ich wüsste nicht wie wir das zur 10 hin ohne Tränen und negative Gefühle geschafft hätten. Ich hätte ihm das Blaue vom Himmel versprechen können. Sein Nein war ein Nein. Der Weg zur 10 schien mir gar steinig. Wenn nicht unmöglich.

 

Und so kam es, dass ich mich dazu entschied, dass ich lieber ein zufriedenes Kind am Mittagstisch habe, ein Kind das mit seiner Mama zufrieden und mit positivem Gefühl essen kann und das Miteinander geniesst, um später den Tisch ohne Hunger oder schlechte Gefühle zu verlassen. Ich fühlte, dass mir dies für uns wichtiger und richtiger erschien, als diese gängige, allgemein richtige Esskultur unter Druck an unserem Mittagstisch durchzuziehen. Es schien mir wichtiger und richtiger das Risiko nicht in Kauf nehmen zu wollen, dass unsere schöne Beziehung, das emotionale Wohl meines Kindes durch diese negativen Momente, den Druck, die Erwartungshaltung, gar durch Zwang geschädigt werden könnte. Hingegen ein Kind mit etwas weniger Vitaminen, ja das könnten wir durchaus verkraften. Sollte dies denn überhaupt der Fall sein.

 

 

Und für uns war es genau die richtige Entscheidung. Für uns, und nur für uns. Die teils kritischen Kommentare von aussen höre ich zwar an aber dann auch nicht mehr als das. Es ist wohl eine Entscheidung von Prioritäten, von Haltung und einer weitaus mehr übergreifenden Haltung von Kindern erziehen bzw. begleiten.

So habe ich mein Tun in meiner Küche überdacht. Meine Kochen etwas verändert, dass mein Kind normal essen kann. Dass es mit Genuss essen kann. Mit Genuss und Dankbarkeit für das was da täglich in seinem Tellerchen liegt. Dass wir eine gesunde Esskultur miteinander erleben dürfen. Und so, dass mein Kind sich aber doch gesund und ausgewogen ernähren kann.

 

Eine liebe Freundin, die Ernährungswissenschaften studiert hat, sagte mir mal, « weisst du es geht nicht darum, dass er an Gemüse und Früchte sich vielfältig ernährt, sondern, dass er was davon isst und zwar jeden Tag. Es reicht wenn er sich ausschliesslich von 3 Gemüse ernährt. Das reich völlig.» Balsam für mein Mamaherz.

So isst er beinahe jeden Tag seine rohe Karotte. Dazu schaue ich, dass er täglich eine grössere Portion eines anderen Gemüses dazu bekommt. Oft in Form von Suppen, Frittata, Gemüsepesto, oder in pürierter Form in selbstgemachten Gnocchi, Karfoffelpuree, Omelette, in Brot etc.

Parallel versuche ich aber Gerichte mit neuen Geschmäcker zu machen, die er probieren soll und dann aber passen darf, falls er es nicht mag.

Bei den Früchten mag er nur rohe Äpfel und Bananen. Alles andere bekommt er in einem Smoothie oder Porridge, den es meistens zum Abendessen gibt.

Dies nur um einen Teil zu nennen, wie wir alternative Wege für unsere Art von gesunder und einer ausgewogenen Ernährung gefunden haben.

 

Ich bin der Meinung, dass neben einer gesunden Ernährung die Esskultur noch wichtiger ist. Dem Kind ein Bewusstsein mit auf den Weg zu geben, woher das Essen stammt. Dass Korn wachsen muss damit wir Brot haben, das Bananen oft einen langen Weg übers Meer machen, weil die ja nicht bei uns wachsen. Dass ein Tier sein Leben lassen musste, wenn wir Fleisch essen. Woher die Milch und das Ei stamm. Und dass wir mit diesem Bewusstsein Dankbarkeit für das Essen in unserem Teller entwickeln. (Mehr dazu gibt es in einem spätere Blogbeitrag).

 

Für wichtig erachte ich auch sich mit einem Kind darüber zu unterhalten, was der Körper braucht, damit er funktionieren kann, damit man springen und hüpfen kann. Damit der Kopf tolle Überlegungen machen kann, der Körper wächst und wir gesund bleiben.

Dies indem man den Kleinen zB eine Nuss zeigt und sagt, dass die eine Form hat wie unser Hirn im Kopf, dieses Hirn, das dafür zuständig ist, dass wir diese tollen Überlegungen machen können. Wie all diese tollen Ideen, neue Spiele zu erfinden, Zusammenhänge zu sehen, man in der Schule lernen kann so schnell im Kopf zu rechnen wie Mama und Papa. Und dass eben diese Nuss gut für unser Hirn ist. Mein Kind isst seither mit grosser Begeisterung eben diese in der Meinung, jetzt gerade etwas Gutes für sich zu tun.

 

Und auch wenn das Kind nicht von allem isst, sich erstmal ablehnend gegenüber Neuem verhält. Bin ich überzeugt, dass es dies doch wahrnimmt. Und sich später, da rede ich aus Erfahrung, sich an den früheren Familiengewohnheiten aus seiner Kindheit wieder bedient und daraus schöpft.

Und seit wir unsere Esskultur so leben ist das Beisammensein am Tisch und auch das Kochen für mich, um ein Wesentliches entspannter. Auch wenn wir die Nährstoffe in einer etwas anderen Form zu uns nehmen als in manchem anderen Haushalt so üblich, ist der kleine Mann hier im Hause immer noch gesund wie eh und je und ohne negative Empfindungen am Essen in seinem Teller interessiert. Mal  mehr, mal weniger. Aber unsere Harmonie am Tisch, die ist inzwischen ganz wunderbar und solche Momente wie am Anfang dieses Textes beschrieben, hat es seither eigentlich nie mehr gegeben. Was für eine gute Entscheidung. Für ihn. Für uns alle.

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Über neanoa

"Nea" steht für "neu" und "Noa" für "bewegend" wie auch "ruhend". Etwas Neues, das (Mama)-herzen berührt, sie bewegt und ans Wesentliche erinnern lässt. Hier soll der Sinn in all seiner Tiefe & das Sein in all seinem Schönen gleichermassen Platz zum Wachsen und inspirieren haben. Schlicht, ehrlich und dem Leben ganz nah.  

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