Wort zum Sonntag // Wie leicht sich Achtsamkeit an einem Sonntagmorgen anfühlen kann

23 Apr 2017

 

 

Und da sitze ich nun an diesem wunderschön sich anfühlenden Sonntagmorgen. Wunderschön weil so sehr gelassen und entspannt. Keine innerliche Unruhe. Kein Ermahnen der eigenen Stimme. Nichts. Nur Sein. Und das gerade ziemlich zufrieden.

 

 

Ich sitze mit einem grossen Becher Kaffee am Küchentisch. In meinen zerrissenen Sonntagsleggins, der riesigen Strickjacke, die Haare zu einem einfachen Dutt gebunden. Das Frühstücksgeschirr lasse ich unbeeindruckt vor mir . Ich kann gerade gut darüber hinwegblinzeln. Der Geruch von Pancakes noch immer in der Nase, die Sonne die durch den winzigen Spalt des zurückgeschobenen Vorhanges mein Gesicht streichelt. Und im Hintergrund mein spielendes Kind.

 

Es könnte mich beunruhigen und mich in meinem Dasein hetzen, das Geschirr, dass da noch abzuräumen ist. Ich es noch nicht unter die Dusche geschafft habe. Die Fenster im Sonnenlicht noch schmutziger scheinen als sie es wahrscheinlich ohnehin schon sind. Und die Nachbarn das wahrscheinlich auch alle schon längst bemerkt haben. Dass die Wohnung vom gestrigen freien und recht spielintensiven Tag ziemlich unordentlich ist. Dass da ganz am Ende des Tisches mein Büro to go liegt, mit dem mahnenden schwarzen Büchlein, was doch alles nicht schon längst erledigt sein sollte.

 

 Ja, es könnte alles furchtbar Druck ausüben an diesem wunderschönen Sonntag. Aber irgendwie haben mich die letzten Wochen geprägt. Die Erfahrung, dass Momente in denen man sich voll und ganz auf sie einlässt -bewusst und achtsam, sich Zeit nimmt, auch wenn der Alltag einem davon oft fast nichts übrig lässt- einem ganz schön viel zurückgeben. Und  man so vielleicht plötzlich ein äusserst zufriedenes verständnisvolles, und ausgeglichenes Kind hat. Vielleicht hatte man das schon vorher, aber es wird einem nur bewusster. Dass das Abendritual ruhiger abläuft, das Aufwachen am Morgen schneller gelingt. Mit wacherem Geist und Körper. Dass man selbst viel zufriedener ist . Mehr Glücksmomente da sind, oder sie einfach besser, bewusster spürt. Dass man obwohl weniger des Beeilens, am Ende des Tage oft nicht weniger geschafft hat. Und wenn doch beunruhigt das einem erstaunlich wenig. Die Relationen verändern sich.

 

 

So frage ich mich nun was ist die Konsequenz wenn das nicht oder erst später geschaffen wird. Meist fallen diese erstaunlich gering aus. Das, was man an diesem achtsamen Moment aber gewonnen hat ist längerfristig oft viel wertvoller. Kinder haben ein Grundbedürfnis die Welt zu entdecken, in all ihren Sinnen. Und Bedürfnisse können nicht aufgeschoben oder auf später verschoben, gar geplant werden. Und bekanntlich macht das Befriedigen von Bedürfnissen zufrieden. Ganz logisch eigentlich. Nie hätte ich gedacht, dass ein paar simple Dinge, die man sich zu Herzen genommen hat solch grosses bewirken kann. Und vor allem, dass ich das so gut kann. Ich als Mensch, der oft zwei, drei Dinge miteinander tut. Der schnell und am besten jetzt etwas erreichen muss. Der stur ist und meint seine Ressourcen oft ganz geschickt auszutricksen zu können.

 

Aber es geht. Ich denke, dass die innere Haltung viel aus den positiv prägenden Erfahrungen schöpft.

 

Mein Kaffee ist nun kalt und das Kind grüsst inzwischen in Pyjamahose und Gummistiefel die Nachbarshühner. Macht nichts. Kaffee gibt’s neuen. Grad jetzt. Und ich glaube nicht, dass sich irgendjemand an meinem Kind, das da in ausgebeulten und auch noch verlöcherten Pyjamahosen und seit Tagen, Wochen (quasi Monaten) nicht geputzten Stiefeln, stört. Wenn doch hoffe ich dass das zufriedene Lächeln meines Kindes darüber hinweg blendet.

 

Inwzischen stehe ich mit meinem Kaffee am Fenster und winke mit Strubel-Dutt dem Nachbarn und den Hühnern da draussen zu. Was solls ich kann auch blenden. Und wenn nicht- zumindest fühlt es sich so an.

 

Auch wenn diese Zeilen vielleicht leicht und dünn daher kommen, sind sie für mich äusserst wichtig und stark. Weil wir doch alle auf der Suche sind nach mehr Entschleunigung, Ruhe, Zufriedenheit und eben diesen kleinen Glücksmomente, von denen wir uns nähren. Immer wieder. Auch wenn die Theorie dessen zu erreichen, allgegenwärtig ist, in x Büchern steht und darüber zu philosophieren auch ziemlich eine hippe Welle ist, so ist und bleibt es doch für uns alle ein schwieriges Thema. Es reicht eben nicht ein paar Bücher dazu zu lesen, sich mit Gleichgesinnten darüber zu unterhalten, um danach nach Hause zu gehen und alles wie gewohnt zu belassen.

 

Es ist schwierig die Reise nach Veränderung bei sich zu starten. Sich darauf einzulassen, einlassen zu wollen. Denn diese Reise mit sich selber beruht oft auf einer tieferen Auseinandersetzung mit sich selbst, seinen eigenen Schwächen, Bedürfnissen und Ressourcen.

 

Die eigene Beziehung zu sich selber will gepflegt sein. Und das funktioniert wohl nur Stück für Stück. Immer wieder einen kleinen Schritt mehr. Einen kleinen wichtigen Schritt.

 

Woran ich mich die letzten Wochen gehalten habe:

 

Wenn ich etwas tue, dann nur das

Nichts anderes. Und die Gedanken ganz bewusst bei dieser einen Tätigkeit belassen. Als Mama oft schwierig, denn oft ist es doch genau die Stärke die uns Mamas ermöglicht, am ende des Tages all die Dinge miteinander geschaukelt zu haben. Und dann meist noch ziemlich erfolgreich. Aber fängt man erstmal damit an, gelingt es einem immer besser. Zuerst muss man die Gedanken lenken. Dann lenken die Gedanken uns in unserem Tun. Und es ist tatsächlich so.

 

Notwendig oder nicht

Sich in einem kurzen Moment bewusst machen, was die Konsequenz sein könnte, wenn dieses oder jenes nicht oder erst später geschaffen wird. Meist fallen diese erstaunlich gering aus.

Sich fragen, was die Konsequenz sein könnte, wenn das Kind nun mit zwei verschiedenen Schuhen zum Einkaufen mitkommen möchte. (Passiert tatsächlich). Ich könnte nun konsequent fordern, dass es zum Haus zurückkehrt, die Schuhe wechselt, sich zwischen den Schuhen entscheidet, es nicht kann, ich ungeduldig werden könnte, es ermahne, das Kind sich noch mehr unter Druck fühlen könnte, sich die Stimmung hochschaukelt,  ich auf die Uhr schaue, dass wir uns beeilen sollten, es doch nicht so schwer sein könne, das Kind sich nicht verstanden fühlt, anfängt zu weinen. Wir beide auf dem Boden sitzen, immer noch mit zwei verschiedenen Schuhen, kein Stück weiter. Stattdessen kann man das Kind auch mit  Winterstiefel und Crocs einfach mitnehmen, passiert ja nichts. Tut ja keinem weh. Vielleicht merkt das Kind selber, dass es unangenehm ist, die vielen Blicke der Passanten. Im besseren Fall merkt es einfach, dass es nicht so wirklich bequem ist, mit diesen zwei verschiedenen Schuhen und man vielleicht nächstes Mal doch zwei gleiche anziehen sollte. Eine bleibende Erkenntnis, ein zufriedenes Kind und eine zufriedene, in sich ruhende Mama.

 

Zwei kleine Dinge, worin ich mich in den letzten Wochen geübt habe. Zwei kleine Dinge, mit einer so grossen Wirkung. Zwei kleine Dinge, die einem wirklich diese leichte, wohlige Zufriedenheit spüren lässt..

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Über neanoa

"Nea" steht für "neu" und "Noa" für "bewegend" wie auch "ruhend". Etwas Neues, das (Mama)-herzen berührt, sie bewegt und ans Wesentliche erinnern lässt. Hier soll der Sinn in all seiner Tiefe & das Sein in all seinem Schönen gleichermassen Platz zum Wachsen und inspirieren haben. Schlicht, ehrlich und dem Leben ganz nah.  

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