Bergwelten // Über Poesie am Berg

2 Aug 2017

Ich weiss nicht was es war, wann es war, was die Liebe zum Berg in mir auslöste. Es war nicht immer so und ich kann mich nur schwer an die Zeit davor erinnern. Was ich weiss, dass die Wende ganz viel mit einem Buch, einem Schriftsteller und einer ganz bestimmten Tour, kam.

 

Seither ist da dieses Gefühl, was mich immer wieder in diese Welt der Berge zieht. Eine ganz eigene Welt. Eine Welt in der man der Natur mit einer gewissen Ehrfurcht, einem Respekt gegenübertritt. Denn man fühlt sich darin klein, einen Teil von etwas ganz wundervollen Ganzem. In der jeder seinen Platz hat und jeder die selben Möglichkeiten, denn Fuss um Fuss und Schritt um Schritt. In einer Welt in der man Geduld lernen und sich in Kraft üben darf. In der man still mit sich wandern kann. Gedanken Raum lässt und Gefühle spüren darf. In der man Zeit hat für einen Begleiter, dann wenn man zu der Welt da unten keinen Empfang mehr hat.

 

Es ist eine Welt zu der jeder Zutritt hat.

 

Denn Fuss um Fuss und Schritt für Schritt.

 

Sie sind ehrlich und fair. Sie urteilen nicht. Sie lehren uns.

 

Mein Horizont hat sich geweitet. Meine Geduld ist gewachsen. Denn es braucht Zeit einen Gipfel zu erklimmen.

 

Alles Grosse braucht Zeit.

 

Pausen, ich habe gelernt, zwischendurch stillzustehen.

 

Ich habe erfahren, wie Mühe sich lohnt. Dann wenn man oben steht und weiss, dass nur die eigene Kraft einem da hinaufgebracht hat, dann ist das ganz schön viel.

 

Ein Gefühl, ganz gross.

 

Unbeschreiblich.

 

Als wenn man es immer und immer wieder erleben möchte.

 

Und doch weiss ich nun auch, dass ganz oft der Weg das eigentliche Ziel ist.

 

Das ist es und doch viel mehr.

 

Denn das Sein in den Bergen begegnet sich mir immer als eine Parallele zu meinem Leben.

 

Als eine Parallele zur Poesie. In Wort und Bild.

 

Wenn ich den Berg wieder hinter mir lasse, fühle ich die oft schweren Beine und trotzdem bin ich ganz leicht.

 

Ich fühle mich stark und frei.

 

Geerdet und zufrieden.

 

Und oft weiss ich dann eben ein klein wenig mehr über mich und auch über das Leben da unten.

 

Vor einer Woche habe ich mich mit einer ganz lieben Freundin zum gemeinsamen Wandern verabredet. Zusammen wollten wir in die Berge. Und wir wussten, dass nicht so sehr der Gipfel zählt, sondern der Weg dahin und die gemeinsame Zeit die wir am Berg miteinander haben. Denn diese haben wir sonst nur wenig.

 

Das Wetter hätte uns davon abbringen können. Die Gewitterwarnung die etwas anders voraussagte, als uns die Menschen im Tal erzälten.

 

Die Gewitterwarnung liess uns spontan eine andere Route wählen.

 

Und es war grau. Und neblig. Und mystisch.

 

Der Weg vor uns ebnete sich uns nur Schritt um Schritt. Wir gingen den Weg, kannten das Ziel, nicht aber den Weg dahin.

 

Ich verlierte mich in der Stimmung des mystischen. Der Berg zeigte sich einem nicht nur Strahlend und erhaben.

 

Trotzend, karg und doch verletzlich.

 

Keine Schönwetterwanderung.

 

Aber vieles ist schön. Es gibt viele Arten von Schön.

 

Schön mit Tiefe, vielleicht.

 

So wanderten wir, vom Nebel umhüllt. Das Ziel war heute nicht nur der Gipfel, vielmehr ein Bergsee. Wir wussten nach welcher Zeit wir ihn ungefähr erreichen werden.

 

Und dann standen wir da auf einer Verzweigung. Wussten nicht ob links oder rechts. Ich erkannte ganz schwach der Berggipfel vor uns. Und dann, wie ein Vorhand, der auf einmal beiseite geschoben wird, eröffnete sich uns ein Bild so klar und wunderschön. Der Bergsee war direkt vor uns, eingebettet in wunderschöner Bergkulisse.

 

Momente, die mir später erzählen werden, dass es sich lohnt auszuhalten, weiterzumachen, auf dem Weg zu bleiben. Denn genau dann, wenn man am wenigsten mit dem Ziel rechnet, zeigt es sich einem in schönster und prächtigster Weise.

 

Und genau Momente wie diese, nehme ich mit mir ins Tal mit. Momente, die sich wie eine weise Parallele zum Leben anfühlt, die es Stück für Stück zu verstehen gilt.

 

Als ob einem der Berg poetisch vom Leben da unten erzählen möchte.

 

 

 

 

 

Brienzer Rothorn 2349,7 m ü. M.

 

Sicht in die Zentralschweizer Alpen mit Pilauts, Rigi, Titlis und die Viertausender der Berner Alpen mit Eiger, Mönch und Jungfrau bis zum Chasseral im Jura.


Von Interlaken nach Brienz, von Luzern über den Brünig, via Brünig auf den Gipfel. Oder von Sörenberg via Lattgässli.  Auf dieser Seite lassen sich immer wieder etliche Steinböcke sichten. Wer Gipfelluft mit Kindern schnuppern möchte, kann die Gondelbahn ab Sörenberg oder die Dampfbahn ab Brienz nehmen und eine kürzere Höhentour nach Turren, oder auch bis zum Eisee, machen.

 

 

 

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Über neanoa

"Nea" steht für "neu" und "Noa" für "bewegend" wie auch "ruhend". Etwas Neues, das (Mama)-herzen berührt, sie bewegt und ans Wesentliche erinnern lässt. Hier soll der Sinn in all seiner Tiefe & das Sein in all seinem Schönen gleichermassen Platz zum Wachsen und inspirieren haben. Schlicht, ehrlich und dem Leben ganz nah.  

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