Es wurde ruhiger // Über Selbsterfahrung, einen veränderten Blick und die Waagschale des Lebens

12 Jun 2017

 

 

In den letzten Tagen wurde es etwas ruhiger hier und das hatte auch seinen Grund. Wie immer im Leben. Dinge passieren oft nicht einfach so.

 

Ich habe es vermisst, geschriebene Worte festzuhalten und mich in der Folge der Wörter zu verlieren um mich am Ende wieder zu finden. Gedanken habe ich mir aber nicht weniger gemacht. Ich hatte ja Zeit, so viel Zeit. Und letztendlich musste ich auch, denn noch nie in meinem Leben hatte ich wohl so viel Zeit mich mit mir selbst auseinander zu setzen. Ich musste meinen Gedanken Raum geben, meine Gefühlen. Sie beachten. Konnte mich durch äussere Reize nur wenig bis nicht ablenken lassen.

 

Kurz, ich hatte einen kleinen Routineeingriff an meinen Augen, der mir nun ermöglicht morgens die Augen zu öffnen um die Welt um mich herum klarer als je zuvor zu sehen.

 

Auch wenn ich direkt nach dem Eingriff mich noch in die Küche gestellt habe um Mittagessen zu kochen, wurden die Schmerzen stärker und so verbrachte ich fast drei Tage mit Augenbinde und Sonnenbrille im abgedunkelten Schlafzimmer. Ich schlief, hörte Podcasts, schlief wieder und war vor allem aber eins; Eins mit mir. In dieser Zeit sortierte ich vieles in mir. In Kopf und Herz. Ich hatte Zeit mir über das Leben - mein Leben Gedanken zu machen. Nun gibt es viele kleine Dinge die ich ändern möchte. Weil ich es schon längst hätte tun wollen und sollen aber nie die Möglichkeit bekam, mir der Wichtigkeit dieser kleinen Dinge bewusst zu werden. Denn es ist immer einfacher den Dingen aus dem Weg zu gehen, sie aufzuschieben auf unbestimmte Zeit, denn bis man abends müde ins Bett fällt, gibt es immer so viele andere Dinge, die uns absorbiert haben.

 

Es sind für aussen wohl unbedeutende Dinge und doch für mich so wichtig, dass sie für mich angegangen werden. Dinge wie, dass ich werktags fast immer gestresst in den Tag starte. Und das liegt nicht daran, dass ich morgens so viel mehr zu tun hätte als alle anderen Menschen, Frauen und Mamas da draussen. Auch nicht daran, dass jemand anderes dafür verantwortlich wäre. Einzig und allein, ich bin dafür verantwortlich. In dem ich es nicht schaffe meine Angewohnheit erst kurz vor Mitternacht ins Bett zu gehen abgewöhne, so dass ich morgens bloss eine halbe Stunde früher aufstehen könnte. Eine halbe Stunde in der ich das tun könnte, was ich mir schon so lange wünsche. Yoga zu machen oder noch im Pyjama ins Gärtchen zu hüpfen um Erdbeeren zu pflücken. Einen Kaffee ganz alleine für mich zu trinken und dabei bloss auf den Tisch zu starren oder aus dem Fenster um mich in der Weite vor mir langsam zu finden. 

 

Denn es reicht nicht sich Dinge bloss zu wünschen und  dabei ganz schön unzufrieden zu sein, im schlechtesten Fall anderen noch die Ohren voll zu jammern, was ich glücklicherweise selten tu, so meine ich. Sondern man muss dem Wunsch, der Unzufriedenheit Raum und Zeit geben, sie zu erkennen, zu benennen um dann mit entsprechender Idee oder einem Plan dies angehen und versuchen in die richtige Richtung umzusetzen. Und dann wird es nicht lange gehen und es pendelt sich ein. Genauso wie wir es uns gewünscht haben, oft sogar noch besser.

 

 

Oder es sind Dinge wie gewisse Charaktereigenschaften, Angewohnheiten, die man eigentlich an sich gar nicht so mag, oder weiss, dass sie für gewisse, einem liebe Menschen schwierig sein können. Diese bedarf es Raum und Zeit zu geben, sie zu erkennen, zu benennen und dann mit entsprechender Idee oder einem Plan anzugehen und versuchen Schritt für Schritt umzusetzen.

 

Oft gelingt es wenn man es ausspricht, mit jemanden teilt. Das fühlt sich für mich dann auch oft wie ein Versprechen an. Ein Versprechen an mich selbst, dass es angegangen wird.

 

Ich habe am Anfang dieser Gedankenreihe geschrieben, dass ich es vermisst habe, geschriebene Worte festzuhalten und mich in der Folge der Wörter zu verlieren um mich am Ende wieder zu finden. Und so ist es. Denn erst jetzt wird mir vielleicht die Wichtigkeit der Selbsterfahrung dieser Tage bewusst.

 

Dass es schon viel früher nötig gewesen wäre. Und dass ich es vielleicht öfters tun sollte. Ich mit mir, alleine ohne viele Reize von aussen. Denn es ist ja so viel einfacher dem Leben in seiner Schnelligkeit einfach zu folgen, als für einen kurzen Moment abzuspringen und innezuhalten.

 

 

Ich glaube, dass jede Situation ob wir sie selbst ausgewählt haben oder nicht, ob gut oder schwierig, ob Aussicht auf Besserung oder eben manchmal auch nicht, immer zwei Seiten für uns hat. Ich stelle es mir vor, dass alles im Leben eine Waagschale ist. Auf der einen Seite das ursächliche Problem einer Situation, die Notwendigkeit die am Anfang im Vordergrund steht. So stellte sich in meinem Fall auf der einen Seite die grosse Einschränkung, die Schmerzen, die Grenzerfahrung damit dar, auf der anderen Seite, die viele Zeit mit mir selbst und die Möglichkeit diese endlich zu nutzen. Erleben wir, dass lieben Menschen Unschönes wiederfährt, dass sie krank sind, so nimmt uns das in Trauer, in Sorge, in Schmerz, ganz schön mit. Und gleichzeitig, wissen wir es auch zu schätzen, dass die eigene kleine Familie einfach gesund ist, dass wir uns haben, oder dass man mit der betroffenen Person die gemeinsamen Stunden einfach viel bewusster nützt, ihnen mehr Bedeutung und Bewusstsein schenkt.

 

So stelle ich mir das vor.

 

Und immer öfters gelingt es mir, dass ich selbst  bestimmen kann, welche Seite für mich mehr Gewicht hat. Einfach weil ich es will, weil ich bestimmen möchte, wie ich fühle und denke, wie mein Blick auf das Leben sein soll. Weil ich positiv sein möchte, dem Leben mit Wertschätzung, Respekt und Dankbarkeit begegnen möchte und ich mich dazu entschlossen habe, mein Denken und mein Tun von Positivem und Schönem zu prägen.

 

Denn ich bin alles was ich habe, und in mir ist alles was ich den Menschen um mich herum, der Welt geben kann.

 

 

Und dazu sollte man ganz schön Sorge tragen.

 

Fürsorge für sich selbst.

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Über neanoa

"Nea" steht für "neu" und "Noa" für "bewegend" wie auch "ruhend". Etwas Neues, das (Mama)-herzen berührt, sie bewegt und ans Wesentliche erinnern lässt. Hier soll der Sinn in all seiner Tiefe & das Sein in all seinem Schönen gleichermassen Platz zum Wachsen und inspirieren haben. Schlicht, ehrlich und dem Leben ganz nah.  

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