Unsere Kinder // Wie wichtig unser eigenes Wohlergehen für sie ist

19 Jun 2017

 

 

Wie wichtig die stabile Symbiose Mama-Kind ist, wusste ich eigentlich schon immer. Und doch musste sich mein Blick erst trüben, musste dieser erst ins Wanken geraten, damit ich es auch wirklich spürte und die volle Intensität darin verstand.

 

Denn wie hier schon in Worte gefasst, nahm ich während eigentlich kurzer Zeit nicht am eigentlichen Leben teil. Aufgrund eines kleinen Routineeingriffs an meinen Augen war ich in meiner eigenen kleinen Welt gefangen. In einer Welt in der es kein bis wenig Tageslicht gab. In einer Welt aus meine Gedanken, Stimmen und blossen Geräuschen aus dem bunten Leben da draussen.

 

Mama war zwar da aber nicht richtig. Mama hatte Schmerzen. Mama brauchte Hilfe. Mama war zeitweise schwach. Es konnte sogar sein, dass man Tränen an ihrer Wange hinabkullern sah, wenn diese auch nur von den Augentropfen stammten, aber für ein Kind sind Tränen oft einfach gleich Tränen.

 

Mama sah plötzlich nichts mehr. "Ich hatte Angst, dass was schief gegangen war. Ich hatte Angst dass Mama blind sein könnte. Dass sie meine Zeichnungen nicht mehr sehen könnte, wir nicht mehr zusammen baden könnten. Ich hatte Angst."

 

Worte meines Kindes. Angst meines Kindes.

 

Es wusste zwar, was mit Mamas Augen passierte, erklärt so kindgerecht wie eben möglich. Auch dass es Zeit der Heilung bedarf.

 

Und obwohl Kinder oft Dinge spüren, wofür wir Erwachsene den Sinn verloren haben, sind Erklärungen, die eine gewisse Vorstellung, (in diesem Fall doch etwas abstrakterer Natur) abverlangen, schwierig.

 

Sie sehen was sie sehen. Mamas Augen sehen ganz normal aus. Sie sieht aber nichts, hat Schmerzen.

 

Angst.

 

Wir fallen aus, wir Mamas, die einen Grossteil dieses Felses in der Brandung unserer Kinder ausmachen, fallen aus. Im Alltag, der funktionieren sollte. Und ohne uns auch funktioniert, nur eben anders, weil wir doch fehlen.

 

Dieser Fels in der Brandung dieser kleinen, jungen, Menschen kann dann ordentlich ins Wanken geraten. Denn diese kleinen, jungen Menschen, die doch schon so viel alleine machen und uns oft genug zeigen, wie gross sie schon sind, wie viele Schritte sie ohne uns machen können, brauchen uns.

 

Und das ganz fest.

 

Und beständig.

 

 

Wir, die diesen Kindern einen Halt und Wurzeln geben, die sie anderswo nirgends in dieser Stärke und Verlässlichkeit bekommen. Auf uns haben sie ihr Urvertrauen gebaut. Sie sind unsere Kinder, über die wir unsere sorgende Hand gespannt haben.

 

Wir tragen im grossen Masse dazu bei, dass der Alltag unserer Kinder geregelt funktioniert, dass Gewohnheiten und Routinen eingehalten werden. Wir bieten ihnen die Sicherheit einer Stärke, Fürsorge und Verlässlichkeit, die es ihnen ermöglicht sich leicht und frei zu entfalten, wie Kinder es eben können sollten.

 

Und fallen wir einfach mal für drei Tage aus, kann dieser sonst so mehr oder weniger stabil funktionierende Alltag für unsere Kinder ganz schön ins Wanken geraten. Obwohl andere meine Rolle übernehmen können, ersetzen tun sie mich nicht.

 

Vermutlich auch, weil diese Symbiose Mama-Kind noch so eng ist.

 

Das Wohlergehen meines Kindes ist in gewissem Masse von meinem abhängig, wie es umgekehrt ja auch der Fall ist.

 

Schmerz kann lähmen, auch wenn es nicht der eigene ist.

 

Und Angst nimmt uns oft die Wörter, diese zu benennen, sie auszusprechen, loszulassen.

 

Kinder sowieso.

 

Angst verändert ein Kind. Auch wenn es nur für kürzeste Zeit ist.

 

Es macht still, unausgeglichen, stumpf im Empfinden und müde.

 

Es braucht Menschen, die diese Angst erkennen und sie ihnen abnehmen.

 

Es hat mich still und ehrfürchtig gemacht, wirklich zu erkennen und zu spüren,  wie  mein Kind mich braucht.

 

Und zwar nicht weniger als am Tag seiner Geburt.

 

Wenn auch anders.

 

Denn dieses Band zwischen uns ist noch stärker geworden.

 

Zu erkennen, dass das kindliche emotionale Wohl von mir in gewissem Masse abhängig ist, macht mich ehrfürchtig.

 

Vor dieser Aufgabe die mir als Mama anvertraut wurde.

 

Es macht mich dankbar, vor allem aber mutig, der stärkste Fels für mein Kind zu sein, der ich sein kann. Mit all meinen Fehlern, mit all meinen Schwächen. Aber mit all meiner Liebe und Hingabe das stärkste Fundament für das junge Leben meines Kindes zu sein.

 

Denn wie schon beschrieben, glaube ich, dass sich das Leben, mit all seinen Situationen oft als Waagschale verstehen lässt. Auf der einen Seite das ursächliche «Problem» einer Situation, die Notwendigkeit die im Vordergrund steht, auf der anderen Seite oft die stillere, erst später erkennbare Erfahrung die das usächliche Problem mit sich bringt. Oft sind es Erfahrungen, die uns über das Leben ganz schön viel erzählen. Die uns lehren, uns mit grösseren Schritten in die richtige Richtung laufen lassen, uns Klarheit und machmal auch ein kleines Stück Weisheit mit sich bringt.

 

Und manchmal gelingt es mir, der einen Waagschale mehr Gewicht zu geben als der anderen. Einfach weil ich es will, weil ich bestimmen möchte, wie ich fühle und denke. Weil ich positiv sein möchte, dem Leben Wertschätzung zollen möchte, ihm mit Respekt und Dankbarkeit begegnen möchte und ich mein Denken und mein Tun von Positivem, Schönem und Freude prägen möchte.

 

Und so bin ich dankbar, diese Erfahrung mit meinem Kind gemacht zu machen, denn es hat mein Bewusstsein für meine Rolle als Mama, meiner Verantwortung gegenüber meinem Kind als Mama, geschärft. Und nein, es fühlt sich nicht als Druck an, sondern als wunderbares Geschenkt, dass ich mit gesunder Ehrfurcht dankend annehme. Tag für Tag. Und jetzt vielleicht ein klein wenig mehr.

 

Und ich bin froh, haben wir diese Erfahrung gemacht.


Wir sind gereift. Jeder für sich. Und stärker geworden, zusammen.

 

Denn unser aller Wohlergehen ist voneinander abhängig. Und ich bin froh, dass ich wieder meinen Teil dazu beitragen kann, dass dies intakt und ausgeglichen ist.

 

Ich bin dankbar, dass mir das möglich ist.

 
Und bete für alle Mamas da draussen, denen das in diesem Umfang nicht oder vorübergehend nicht

möglich ist.

 

 

 

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Über neanoa

"Nea" steht für "neu" und "Noa" für "bewegend" wie auch "ruhend". Etwas Neues, das (Mama)-herzen berührt, sie bewegt und ans Wesentliche erinnern lässt. Hier soll der Sinn in all seiner Tiefe & das Sein in all seinem Schönen gleichermassen Platz zum Wachsen und inspirieren haben. Schlicht, ehrlich und dem Leben ganz nah.  

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