that sugar thing // Wenn zuckerfrei plötzlich Thema ist

16 May 2017

Unser, mein Weg von der Idee eines Verzichtes, von der Idee von weniger Industriezucker im Alltag, zu der Erkenntnis, dass ich nun nicht mehr zu alten Gewohnheiten zurückkehren kann. Erfahrung verändert. Es verändert unsere Gedanken, den Blick auf das Tatsächliche. Ein Bericht über meine Reise von einer Idee, die nun nicht mehr als solche im Raum steht. Sie ist plötzlich wichtig geworden. Zurecht.

 

Da unser Fastenprojekt  (link zum Rückblick Fasten Teil I & Teil II) mit dem Osterwochenende offiziell endete, fand der kleine Bub hier im Hause ein besonders grosser Osterhase in seinem Nestchen vor, denn Osterhasen belohnen bekanntlich die Kinder besonders, die sich in der Zeit vor Ostern im Verzicht geübt haben. Falls hier auf Kinderseite aber tatsächlich mal ohne Ausnahme in den nächsten Jahren gefastet wird, bin selbst ich gespannt, wie wir das mit der Grösse noch toppen. 

 

Aber die Freude in seinem Gesicht, die war riesig. Für ihn und auch für uns.

 

Spüren und erleben, der Verzicht der es wieder lebendig macht.

 

Und auch ich habe es genossen. Kaffee mit Zucker, viel Kaffee mit viel Zucker. Ja! Und so ein richtiges Stück Schokolade dazu. Und Osterfladen. Und Karottenkuchen mit süssem Topping. Oh ja! Und abends noch mal.

 

 

Das war die Idee. Aber es genügte. Ich fühlte mich nicht mehr sehr wohl. Der Bauch war schwer, die Verdauung  auch. Und abends sah ich dann mein Spiegelbild an. Betrachtete mich, meinen Körper. Wollte mehr erfahren, was es, dieser Zucker, denn wirklich in mir, mit mir anstellte.  Ich weiss noch, dass ich vor dem Projekt bei der Arbeit mal auf die Waage gestanden bin, nur für den Fall, dass dies irgendwann relevant für mich werden sollte. Und das war es jetzt. Meine Fragen suchten nach Fakten, die über das Fühlen und Erleben hinausgehen. Und tatsächlich, obwohl ich während der ganzen Fastenzeit normal gegessen habe und sonntags sogar in normalem Mass Zucker zu mir genommen habe, so habe ich doch 2 kg abgenommen. (Um hier nochmal zu erwähnen, Abnehmen war für mich nie der Grund des Verzichtes. Ich bin normalgewichtig, was wohl vor allem auch genetisch bedingt ist. Für mich war das Körpergewicht so noch nie relevant, war schon immer der Meinung, dass man vielmehr Vitamine als Kalorien zählen sollte. Und doch könnten 2 kg für gewisse Menschen unter bestimmten Umständen ganz schön viel sein.)

 

Und nein, mit dem hätte ich nie gerechnet. Jetzt als ich da so im Badezimmer stand. Ich dachte ja wirklich, probieren wir dieses Fasten mal aus und wahrscheinlich kehre ich mit neuer Erfahrung zu alten Gewohnheiten zurück. So wurde der Ostermontag mit Lektüre und Laptop auf dem Sofa verbracht. Ich wollte mehr darüber erfahren. Was er denn eigentlich macht, dieser Zucker. In mir. Mit mir.

 

Zucker als reines Genussmittel

50 kg Zucker konsumiert ein Durchschnittsschweizer jährlich. Täglich ist das 20% unserer Energie, die wir über den Zucker aufnehmen. Das sind rund 32 Stück Würfelzucker. Und das täglich.

Anders als Kohlenhydrate, Protein und Fette, ist Zucker ein reines Genussmittel, welches unser Körper gar nicht braucht.

 

Beachtlich ist auch, dass der Zuckerkonsum im Vergleich vor 150 Jahren 20x mehr gestiegen ist. Vor 20 Jahren waren es noch 25% der Bevölkerung mit einem zu hohen BMI, heute ist es bereits jeder Dritte. Die Folgen sind bekannt. Schon in den 70er Jahren warnte der Schriftsteller John Yudkin in «Pure, White and Deadly» (Pur, weiss, tödlich) vor den Folgen eines zu hohen Zuckerkonsums. Erstaunlicherweise wurde dem Buch aber wenig Beachtung geschenkt, wie auch den Thesen des Schriftstellers selbst. Es wird gemunkelt, dass sich bekannte Ernährungswissenschaftler mit der Lebensmittelindustrie zusammengetan haben und so dem Ruf Yudkins geschadet haben. (Solche Thesen gibt es viele und ich denke, dass in jeder ein kleines Stück Wahrheit steckt.) US-Forscher machten vor allem die Problematik des Fettes schuld, das zu Übergewicht führt und uns demnach krank macht, dem Zucker wurde kaum Beachtung geschenkt.

 

Erst seit der Jahrhundertwende forschen Wissenschaftler wieder an der Zuckerproblematik. Und neuste Studien zeigen bereits, dass metabolische Probleme nicht allein durch Fette (von denen der Körper die ungesättigten Fettsäuren ja braucht) und eine zu hohe Kalorienaufnahme zu Stande kommen, sondern dass in Ländern, in denen der Zuckerkonsum höher ist als in anderen, die Zahl der Diabetes Typ II Patienten 11mal häufiger ansteigt als in anderen Ländern. Und das unabhängig wie viel Sport sie treiben oder wie hoch ihr BMI ist.

 

Fakten beruhen aus dem Beitrag von Ian Leslie im Guardian, der dort vor einem Jahr erschien.

 

 

 

Nun frage ich mich warum wir das Problem so spät erkannt haben oder noch immer nicht erkennen möchten. Ist es ein Problem des Wohlstandes? Wohl auch ja. Im besten Fall in Kombination mit der Lebensmittelindustrie. «Viel Zucker bringt viel Umsatz», ein Zitat von T. Bode, Chef der Verbraucherzentrale Foodwatch aus dem Jahr 2012.

 

Paradox.

 

Nun ja, die Lebensmittelindustrie nutzt Zucker offenbar als günstigen Geschmacksverstärker. So ist oft in Lebensmittel, die eigentlich nach Frucht schmecken sollten, in dem eigentlich auch Früchte drin sein sollten, wesentlich mehr Zucker- als Fruchtanteil. Und uns schmeckt es ja. Wir mögen dieses Süsse ja. Es schmeckt. Und es verkauft sich. Und das rentabel.

 

Verschiedene aktuelle Studien zeigen, dass Zucker die gleichen Reaktionen wie Morphine, Kokain und Nikotin in uns auslösen.

 

Und das kann ich nur bestätigen, denn als ich nach 7 Tagen erstmals wieder Industriezucker zu mir nahm, hatte ich 6 Stunden später richtigen Heisshunger auf etwas Süsses, was ich während der ganzen Woche sonst nicht verspürt hatte.

 

Man könnte somit der Lebensmittelindustrie auch eine gewisse Verantwortung unterstellen, die sie nicht wirklich wahrnimmt. Steht man vor einem Regal im Supermarkt mit Müesliflocken, die vor allem in der Optik speziell für Kinder ausgerichtet sind, fällt einem das stark auf.

 

Vielleicht könnte man auch meinen, dass die WHO stärkere Richtlinien herausgeben dürfte. Schliesslich sind die Folgen eines übermässigen Zuckerkonsums inzwischen bekannt.

 

Aber da gibt es auch noch die Pharmaindustrie, die grosse Pharmaindustrie. Ich denke, dass diese wenig transparent wohl alle näher zueinander stehen als sie dürften das wird einem nur schon beim Thema Impfen bewusst. Aber das sind Ansichten, persönliche Ansichten. Es sind blosse Gedanken, auf die ich Antworten suche.

 

Die WHO empfiehlt, nicht mehr als 10% was nicht mehr als 50 g Zucker oder 12,5 Würfelzucker täglich entspricht,  des Energiebedarfs mit Zucker zu decken. Aktuell nimmt ein Durchschnittsschweizer aber ca. 32 Stk. Würfelzucker zu sich. Doppelt so viel wie empfohlen. Die  WHO möchte diese 10% nun nochmals halbieren, auf empfohlene 25 g Zucker / 6 Stk Würfelzucker täglich.

(Quelle «Der Beobachter»)

 

Infomaterial, das es sich wirklich lohnt anzusehen. Meine liebe Schwester gab mir diesen Tipp:

 

„Der australische Schauspieler Damon Gameau konsumiert in seinem Dokumentarfilm während zweier Monate, ärztlich kontrolliert, täglich 40 Teelöffel Zucker. Was nicht schwierig ist, lauert doch das süsse Gift nicht nur in Cakes und Glace, sondern auch in Fertigsaucen, Sportgetränken oder Obstsäften. Im Sinne eines Selbstversuchs vor der Kamera in der Tradition eines Morgan Spurlock – der in «Super Size Me» die Auswirkungen von Fast Food vorführte – demonstriert Gameau die Konsequenzen seiner «Zuckerdiät»: 8,5 Kilo Gewichtszunahme und Anzeichen einer Fettleber. Unterstützt von Ausführungen durch Wissenschafter und visualisiert durch erklärende Animationen über die Folgen von Zucker für den menschlichen Organismus, wird «That Sugar Film» zu einer Erfahrung, die einen buchstäblich leer schlucken lässt.“ 

 

Neue Zürcher Zeitung, 25.11.2015

 

Hier geht's direkt zum Trailer von «That Sugar Film»

 

Besonders wir, die als Vorbilder der nächsten Generation gelten, sollten unseren eigenen Konsum reichlich überdenken. Den wenn was bei Erwachsenen der Zucker anrichtet, geschieht auch bei unseren Kleinen, gesunden, jungen Menschen. Dass 17,3 % aller Schüler in der Schweiz (in Deutschland sieht es ähnlich aus) übergewichtig oder fettleibig sind, sollte alarmieren. Studien besagen auch, dass das Übergewicht was als Kind da ist, am schwersten abgenommen werden könne. Die metabolsichen Folgen nicht zu vergessen, aber was ich noch bedenklicher finde, die psychologischen Folgen. Denn so lieb Kinder auch sein können, sind sie auch ganz schön ehrlich. Und ich möchte nicht wissen, was das mit feinen, kleinen Kinderseelen anrichten kann.

 

Als ich vor ein paar Jahren mit meinem damals 2 jährigen Kind in Italien am Strand sass, dort wo mehrheitlich nur Einheimische waren, schaute ich mir mit Kind auf dem Schoss, einmal sehr genau die anderen Kinder an. Wie sie aussehen und was sie denn auch zu Mittag essen. Mir wurde tatsächlich schlecht. Mir taten diese kleinen Kinder wirklich leid und wir sollten uns wirklich viel öfter bewusst machen, welche Verantwortung wir unseren Kleinen gegenüber tatsächlich haben.

 

Von dem Zeitpunkt an von dem wir wissen, dass eine kleine Kinderseele bei uns ist, geben wir unser bestes sie zu liebenden und vorerst vor allem gesunden Menschen heranwachsen zu lassen. Man sollte über die Jahre hinweg durch Gewohnheiten oder gesellschaftliche Normen dies nie ganz vergessen.

 

 

Fakten. Erschreckende Fakten

 

Zuckermenge in Angabe von Würfelzucker:

 

1 Fruchtjogurt: 6,5  Stück Würfelzucker

180 Gramm Bio-Fairtrade-Schokoladenjoghurt: 8.5 Würfelzucker

50 g Müesli: 3 Stk. Würfelzucker

30 g Marmelade: 7 Stk Würfelzucker

0,5 Liter Lipton Ice Tea: 8 Würfelzucker

0,5 Liter Cola: 14.5  Stück Würfelzucke

1 Reihe Schokolade: 2  Stück Würfelzucker

100 Gramm Gummibärchen: 12 Stk. Würfelzucker

30 Gramm Tomaten-Ketchup: 2 Stk. Würfelzucker

 

(Quelle swissmom.ch)

 

Die WHO empfiehlt, nicht mehr als 10%, was nicht mehr als 50 g Zucker oder 12,5 Würfelzucker täglich entspricht,  des Energiebedarfs mit Zucker zu decken.Die WHO möchte diese 10% nun nochmals halbieren, auf empfohlene 25 g Zucker / 6 Stk Würfelzucker täglich. In Anbetracht der obigen Zahlen könnte das schwierig werden. Ist es schon. Wenn wir denn hinsehen.  

 

 

Tipps. Nützliche Tipps

 

Weniger Zucker konsumieren indem:

 

  1. Man auf Süssgetränke verzichtet. (Als Bsp. 5 dl Cola bedeuten schon den maximalen Zuckerkonsum für den ganzen Tag.)

  2. Möglichst auf Fertigprodukte verzichten, denn da sind überall Zuckermengen in zwar kleinster Form versteckt, aber die Menge machts bekanntlich aus.

  3. So auch fertige Müeslimischungen meiden. Besser selber welche herstellen, was ja eigentlich ganz simpel ist und gerade mit Kinder auch ein Erlebnis sein kann.

  4. Joghurt ist eine Zuckerfalle. Am besten ungesüssten Naturejoghurt verwenden und ihn mit Früchten oder natürlichem Süssstoff anreichern.

  5. Auf «versteckten Zucker» auf der Deklaration eines Produktes achten. zB Glucose, Fruchtzucker, Traubenzucker, Traubensüsse, Maltodextrin, Dextrose, Saccharose, Fruktosesirup etc. Je weiter oben Zucker in der Zutantenliste aufgeführt ist, desto mehr davon ist enthalten.

  6. Und ganz wichtig;  Industriezucker durch natürlichen, besseren Zucker ersetzen.

 

                   

Allerdings möchte ich hier ganz klar sagen, dass ein Alltag, vor allem mit Kind, nicht ohne Zucker geht. Denn wir sind ihm täglich ausgesetzt und die Kleinen sollen lernen richtig damit umzugehen. Besser im richtigen Umgang lehren und unterstützen als verbieten. Was mir persönlich als Regel hilft, dass eine faustgrosse Portion Süsses pro Tag okay ist.

 

Wir sollten nicht verbieten. Aber Alternativen anbieten, sie zusammen finden. Denn was gemeinsam entdeckt wird, hält oft in seinem Bestehen viel länger.

 

Die Balance zwischen Gesundheitsbewusstsein und Genuss ist es wahrscheinlich die uns in unserer Fülle als gesunden und vitalen Menschen fühlen lässt.

 

…ich versuche diese gerade noch herauszufinden.

 

 

In einem späteren Blogbeitrag erzähle ich was genau wir umgestellt haben. Wie unsere Alternativen sind und das Erleben dessen vor allem auch mit Kind.

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Über neanoa

"Nea" steht für "neu" und "Noa" für "bewegend" wie auch "ruhend". Etwas Neues, das (Mama)-herzen berührt, sie bewegt und ans Wesentliche erinnern lässt. Hier soll der Sinn in all seiner Tiefe & das Sein in all seinem Schönen gleichermassen Platz zum Wachsen und inspirieren haben. Schlicht, ehrlich und dem Leben ganz nah.  

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