Fasten // Rückblick Teil I

5 Apr 2017

Wie wir uns im Verzicht üben.

 

 

Für mich war es nicht schwierig, morgens auf die Schokolade in meiner Tasse voll Milch zu verzichten. Vielmehr schmeckte mir die rohe Milch äusserst gut, vielleicht auch weil die Wahrnehmung eines anderen Geschmackes, meine Morgenroutine etwas durchbrach und dem so mehr Aufmerksamkeit und schliesslich dann auch Achtsamkeit einhauchte. Mittags war es dann doch schwieriger meinen Kaffee ohne Zucker zu trinken. Nein, das mag ich nicht. Und doch gab es einen Tag an dem ich diese mir bittere Brühe trank, einfach weil ich sonst den Tag wahrscheinlich kaum überstanden hätte und er mir so durch müde Nachmittage half. Sonst ersetzte ich meinen Kaffee ganz einfach durch Tee oder Wasser, was für meinen Körper doch eigentlich ganz gut ist, dachte ich mir.

 

Auch sonst fiel mir das Verzichten unheimlich leicht und kam nie in Versuchung. Abends, als ich einmal unheimlich müde war, müde genug, so dass der Griff zu etwas Schokolade sehr leicht gewesen wäre. Stattdessen griff ich zu Datteln und Feigen. Funktionierte ganz gut.

 

Gegen ende der Woche waren wir mit anderen bei einer liebe Freundin auf Besuch, die Schokoladencreme machte und dazu ein paar Kekse aufgetischt hat. Eigentlich wollte ich davon nichts nehmen, ich verspürte auch überhaupt kein Bedürfnis danach, hätte kein Problem gehabt, wenn alle anderen die Schokoladencreme genüsslich in ihren Tellern gelöffelt hätten. Und doch schien es mir unhöflich ganz abzulehnen. Meine Freundin meinte, dass mir am Ende schliesslich niemand sagen würde, «gut gemacht». Das stimmte natürlich, aber darum ging es mir nicht.

 

Im Nachhinein, machte es mich danach etwas nachdenklich und ich überlegte mir wieviel wie unser Verhalten doch durch Umstände, gutes Benehmen und Rücksichtsnahme bedingt ist. Und dass es wohl noch einen viel grösseren Teil ausmacht, als dass wir uns wohl wirklich bewusst sind.

 

 

Der Kleine hatte da schon eine ganz andere Woche. Voller Eifer und Elan ging er an die Sache ran. Doch schon am 2. Tag fehle ihm offensichtlich etwas. Die Routine nach dem Mittagessen, dass wir gemeinsam an den abgeräumten Tisch sitzen. Pause machen, diesen Moment der freien Zeit geniessen, über dieses und jenes pläuderlen und um unseren freien Nachmittag zu planen. Ich weiss nicht ob ihm die kleine Schokolade nur als Mittel zum Zweck fehlte. Nachmittags ersetzte ich den Kuchen, den es sonst ab und zu gegeben hätte durch teils neue Kräcker, ohne Zucker. Einer mit Quinoa hat es ihm besonders angetan.

 

Generell merkte ich schon, dass die Lust an einfacher und natürlicher Süsse zunahm. Und so war dann ein Porridge mit Datteln und etwas Ahornsirup (Bio enthält keine zusätzliche Süssungsstoffe) abends schon fast wie ein Dessert für uns. Aber der Kleine zählte die Tage bis es endlich, endlich Sonntag ist und es seinen Lieblingskuchen gab. So bediente er sich auswärts viel mehr am Dessert und an den süssen Sachen, (die doch recht viel sind, wenn man sich denn mal wirklich bewusst achtet) was ich so eigentlich gar nicht mochte. So ganz ohne Zucker funktioniert wohl nicht ganz. Oder noch nicht.

 

Nun, es ist Sonntag. Unser erster «süsse Sonntag» wie wir ihn nun nennen. Und für den Kleinen war hier heute natürlich ein toller Tag. Und ich? Ich hätte fast meinen süssen Kaffee vergessen, schon so gewohnt war ich es, nach nur einer Woche. Offensichtlich hat er mir nicht gefehlt. Und doch trank ich ihn mit grossem Genuss, mit extra Schokoladenpulver obendrauf. Aber einer genügte mir für heute schon, auch wenn ich weiss, dass der nächste wieder eine Woche auf sich warten lässt.

 

Ich merke, fehlen tat es mir vor allem an Anfang der Woche und das aber nur dann, wenn ich sehr müde war oder beim Kleinen wenn es zu einer festen früheren Routine gehörte. Und jetzt an diesem süssen Sonntag geniesse ich es, falle aber nicht darüber her, wie ich oder andere, es vielleicht erwartet hätten.

 

Es fühlt sich vielmehr als eine Entscheidung an als einen Verzicht. Eine Entscheidung sich den Dingen wieder bewusster zu machen, sie zu schätzen. Denn häufiger Konsum macht früher oder später doch alles sehr gewöhnlich.

 

Der Kleine startet morgen übrigens wieder aus freiwilliger Entscheidung in die zweite Runde. Ich überlege mir nun, wie wir unsere neue Mittagsroutine gestalten können, dass dem Kleinen die winzig kleine Schokolade aus lauter Gewohnheit, das Mittel zum Zweck, auch nicht mehr fehlen muss.

 

Nachtrag

Der zweite Rückblick ist schon geschrieben und bringt fernab des Kernthemas seinen ganz eigenen Inhalt mit. Wie ein Spiegel zum Leben. Und aufgrund dieses Textes eigentlich so gar nicht erwartet.

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Über neanoa

"Nea" steht für "neu" und "Noa" für "bewegend" wie auch "ruhend". Etwas Neues, das (Mama)-herzen berührt, sie bewegt und ans Wesentliche erinnern lässt. Hier soll der Sinn in all seiner Tiefe & das Sein in all seinem Schönen gleichermassen Platz zum Wachsen und inspirieren haben. Schlicht, ehrlich und dem Leben ganz nah.  

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