Fasten // Rückblick Teil II

17 Apr 2017

Und da war sie unsere 2. Hälfte nach dem Entschluss, mal eben zu Fasten. Keine Euphorie mehr die anfangs einem alles so leicht und voller Begeisterung machen lässt. Die grossen Worten, die von grossen, ach so leichten Taten bestätigt werden sollten.

 

Es kam der Alltag. Die Prüfung aller neu gewonnen Routinen, die noch nicht wirklich da waren. Es kam der Alltag, auch mit seinen grauen, langen, anstrengenden Tagen. Der Alltag mit auswärts essen, Essen bei Freunden und Familie, essen auf dem Spielplatz, vorbeigehen am Glacéstand daneben, von süssen Geschenken, von Beschwichtigungen anderer. Ja da war er. Er und unser Entschluss.

 

 

Es war einfach unser Entschluss in den eigenen vier Wänden umzusetzen, doch war es schwierig bei Freunden und Familie abzulehnen, «nein danke zu sagen», offensichtlich und oft als Minderheit zu verzichten. Schwierig wenn man nachmittags bei der Arbeit noch schnell in der Mensa was kleines zu essen holen möchte, im Wissen noch ein paar Stunden Arbeit vor sich zu haben. Da waren lauter süsse Konfekte. Alles fein so weit. Alles aus Zucker, süss und fettig. Meine Alternative waren trockene, harte Brötchen, und Bananen. Nun könnte man sich durchaus fragen warum ich denn das überhaupt mache? Diese Frage konfrontierte mich so oft. Wie ich im ersten Rückblick schon erwähnte, dass mir am Ende schliesslich niemand sagen würde, «gut gemacht». Das stimmte natürlich, aber darum ging es mir nicht.

 

 

Ich spürte, dass jeder Anfang, wenn der erste Entschluss einmal gefällt ist, der erste Schritt gemacht ist, das erste Wort gesprochen ist, alles sehr einfach ist. Wenn dann aber die erste Aufregung vergangen ist, ja…dann wird es doch schwieriger.

Alte Muster kehren zurück. Neue Routinen sind noch nicht wirklich da. Und Verlockung kann gross sein. Verlangen noch grösser, wenn die Versuchung so nah und einfach ist.

 

Es ging mir darum, dass ich diese Hürde, diese Phase des Schwierigen durchbreche. Meinem Ziel in seinem Erreichen nah bin und es versuche, damit ich auch ehrlich spüre, was es mit mir macht. Ich den Verzicht spüre und danach hoffentlich in Hinblick auf mein weiteres Essverhalten neue Schlüsse ziehen kann, auch wenn alte Gewohnheiten zurückfinden würden und auch dürfen.

 

So trank ich weiter meinen bitteren Kaffee an den Morgen, die sich so unglaublich schwer anfühlten, die Augen klein, die Kraft wenig. So lehnte ich Süsses auswärts ab, denn schliesslich geht es hier um mich, nur um mich. Und mein Versuch des Verzichtes tut niemandem weh. So merkte ich wie unglaublich weit die Reichweite an feinen Porridge, Müesli und Bowls es gibt. So hab ich auch den einen oder anderen zuckerfreien Kuchen gebacken und gemerkt, dass es da auch wirklich gute darunter gibt und solche die ich wahrscheinlich bei dem einen Backversuch belassen werde. Und – ich habe gemerkt, dass mein Appetit auf gesunde, reichhaltige, nährende Nahrung so viel grösser geworden ist.

 

Doch das war nicht  alles. Denn was ich dabei fühlte, wie es mir erging, war an Erfahrung viel bedeutender.

 

Was ich fühlte war Nähe. Nähe zu mir selber. Eine Leichtigkeit die ich spürte um meinen Gedanken, meinem Willen, meinen Emotionen nah zu sein. Ich hatte das Gefühl ganz bei mir zu sein. Ich konnte mich besser reflektieren, meine eigenen Wünsche und Gedanken besser wahrnehmen und einordnen.

 

 

Und das fühlte sich so alles sehr leicht an. Gut. Und richtig.

 

Und das eigentlich nur durch diesen wenigen Verzicht.

 

Das bringt mich in dieser Erkenntnis irgendwie zu ganz Höherem.

 

 

Nachtrag

Mein kleiner Sohn und seine Fastenzeit kam hier gerade wenig zu Wort. Einfach darum, weil er eben auf seine ganz eigene Art «gefastet» hat. Er hat sich die Gründe angehört, warum man denn Fasten könnte und sich auch aus freiem Wille dafür entschieden. Er hat bei einem kleinen Projekt mitgeholfen, unterstützt, motiviert und ermahnt. Wir waren ein Team. Er hat sich Gedanken gemacht wo überall Zucker steckt und warum manches trotzdem so süss und fein schmeckt auch wenn da wirklich kein Zucker drin ist. Er hat gelernt, dass es auch natürlicher Süssstoff gibt, der unserem Körper wesentlich gesünder kommt. Er hat erlebt, dass es für andere schwierig sein kann einem Ziel zu folgen. Dass es die guten, einfachen Tage gibt und eben solche, an denen es einem schwerer fällt. Er hat mitbekommen, dass man sein Ziel auch dann verfolgen darf und sollte, wenn mancher um einem herum das für nicht sonderlich notwendig hält. Und dass es sich lohnt diese schweren Tage durchzustehen, umso schöner fühlt es sich dann an ein einst fernes Ziel erreicht zu haben.

 

Und das hat mein kleiner Sohn alles gelernt, gesehen und im gemeinsamen Alltag erlebt. Ganz schön viel. So würde ich meinen, dass es nicht schlimm ist, dass er das Fasten auf unsere 4 Wände reduziert hat. Auch nicht, dass an einem sonnigen, freien Nachmittag mal Eis oder ein Brötchen mit Schokolade gegessen wurde. Denn was ich unter keinen Umständen wollte, dass er die Lust an der Thematik einer gesünderen und vor allem bewussteren Ernährungsform verlieren könnte. Vielleicht dann wenn er sich umgesehen hätte, er tatsächlich der einzige gewesen wäre, der da verzichtet hätte. Denn während unserer ganzen Fastenzeit ist mir bloss eine Familie begegnet, die das selbe tat wie wir.

 

Er hat verzichtet, aber nicht ganz. Denn er ist ja noch klein. Und kleine Menschen sollten erstmal klein anfangen. Und dann, dann sind sie später vielleicht einmal für viel Grösseres bereit...

 

 

Hier gelangt ihr zum Rückblick Teil I und zu den Beweggründen unseres Entscheids.

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Über neanoa

"Nea" steht für "neu" und "Noa" für "bewegend" wie auch "ruhend". Etwas Neues, das (Mama)-herzen berührt, sie bewegt und ans Wesentliche erinnern lässt. Hier soll der Sinn in all seiner Tiefe & das Sein in all seinem Schönen gleichermassen Platz zum Wachsen und inspirieren haben. Schlicht, ehrlich und dem Leben ganz nah.  

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