Fasten // Warum wir uns gerade freiwillig im Verzicht üben

28 Mar 2017

 

"Festzeiten sind Nahrung für die Seele, wie die Mahlzeiten im Tageslauf Nahrung für den Leib sind."

 

Rudolph Steiner

 

 

 

Um dem Osterfest dieses Jahr mit grösserem Kind noch etwas mehr Sinn zu geben überlegte ich mir wie wir es dieses Jahr machen mit all der Schokoloade die das Ostehäschen bringen wird. Und auch diese die Grosseltern und Paten schenken. Alles in allem ist es immer ganz schön viel und bisher teilten wir dies auch nicht wirklich in Rationen ein. Der Kleine durfte sich davon bedienen so ziemlich wann ihm danach war. Mit Ausnahme vor dem Essen. Und das funktioniert zum Erstaunen Vieler recht gut. Ich glaube, dass es wichtig ist, dass man Kindern dem Konsum von Süssem eine gewisse Freiheit lässt, innerhalb der vereinbarten Regeln, dass sie selber lernen damit umzugehen und einzuteilen und sich zu spüren. So nascht der Kleine eigentlich immer recht spärlich, spart es lieber für schlechtere Zeiten auf. Und nur zwischendurch muss ich eingreiffen. Und irgendwann im Sommer landen dann die Reste (was dann immer ziemlich viel ist) im Körbchen auf seinem Schrank und irgendwann letztlich in einem Kuchen.

 

Nun, ich fände es schön, wenn die Freude über die Schokoladeneier- und Hasen in ihrer Intensität über die Jahre nicht verlieren würde.

 

Es irgendwann vielmehr eine andere Freude wird. Eine, die entsteht indem man lange auf etwas gewartet hat. Geplangt, vielleicht sogar verzichtet hat.

 

Und da war ich. Verzichten. Wie viel muss mein Kleiner eigentlich verzichten? Ganz generell, vom Zuckerkonsum mal abgesehen? Ich denke dass mein Kind dies sicher weniger tut, als ich es zu meiner Zeit vielleicht getan hat. Einfach weil die Zeiten und die Umstände auch etwas anders waren. Und wie sieht es mit mir aus? Wo verzichte ich? Als Mama geht man da natürlich viele Kompromisse ein, aber oft ohne dies bewusst und im Moment entschieden zu haben, die hat man meist schon viel früher getroffen. Ich denke, dass heute, meine Generation der 80er/90er sich ihre Bedürfnisse eher stillen als lange darauf zu sparen oder zu warten in dem man vergleicht und abschätzt. Wenn ich vergleiche, bin ich da oft die Ausnahme, worin ich sicherlich durch mein Elternhaus in einer Grossfamilie geprägt wurde.

 

In letzter haben wir uns oft darüber unterhalten, in Hinblick auf die doch schon länger aktuelle Flüchtlingsthematik, dass wir es doch schon sehr gut haben, Essen zu haben, gesundes Essen. Genug Essen. Und vielfältiges Essen. Dass wir ein schützendes Dach über uns haben, dass und Schutz und Wärme gibt, Kleidung die es uns erlaubt die Natur zu entdecken ohne gross frieren zu müssen. Wir haben Bücher um Wissen zu erlangen, dürfen uns bilden, Kultur geniessen. Haben unsere Familie und Freunde nah. Und wenn wir krank sind, gibt es Ärzte die uns helfen. Und das für Jeden. Wir haben es ganz schön gut. Oft sind das die Worte des Kleinen hier im Hause.

 

Nun, gerade jetzt im Hinblick auf die Ostergeschichte, die es in kindlichen Worten einem Kleinen zu erzählen gilt, verspürte ich den Wunsch bewusst auf etwas zu verzichten.

 

Bis Ostern nichts Süsses, kein Kakao, kein Konsum von industriell gefertigtem Zucker. Ich selber bin nicht die, die gross auf Schokolage steht. Ich trinke 1-2 Kaffees am Tag mit 2 Löffel Zucker, denn Kaffee ohne Zucker ist für mich kein Kaffee. Ich trinke morgens einen grossen Becher Milch mit Schokolade und zum Zvieri am Nachmittag essen wir hier gerne nach dem gesunden Teil mit Früchte und Nüsse gerne Kuchen, weil ich auch einfach unheimlich gerne backe. Und nach dem Mittagessen gibt es oft ein wirklich kleines Schöggeli, auch als Bedingung und Motivation für den Kleinen, wenn es beim Essen etwas gibt, was neu für ihn ist, oder ihm nicht sonderlich schmeckt. Sonst haben wir nicht wirklich viel an Süssem an Vorrat. Und wenn ich denn bei der Arbeit bin, haben wir da eine Schublade, meist voll gefüllt mit Schokolade, die liebe Patienten oft mitbringen. Wenn ich im Büro bin, sitze ich der am nahsten. Und ich geniesse das. So richtig. Da glaubt mir keiner so recht, dass ich Zuhause eigentlich nicht wirklich auf Süsses aus bin.

 

So erklärte ich dem Kleinen, dass Ostern auch damit zu tun hat, zu verzichten, so wie es der liebe Gott für uns auch getan hat, der nun im Himmel ist und auf uns aufpasst oder uns Kraft und Trost gibt wenn man darum bittet. Dass Ostern auch damit zu tun hat, dass man sich bewusst macht, was man hat und das schätzt. Und was andere nicht haben. Und dass das im Vergleich ganz schön traurig ist.

 

Ich erzählte ihm, dass ich bis Ostern darum fasten möchte und liess ihm die Wahl offen ob er das denn auch möchte. Ich hatte nie die Erwartung, dass ein Kind strikte fasten muss, wie ich es mir vornahm. Vielmehr hatte ich die Hoffnung, dass er zwischendurch an manchen Tagen bewusst einen Verzicht spüren könnte. Dass er merkt, dass wir auf etwas verzichten, was es sonst einfach so jeden Mittag gab. Dass er so noch mehr dem Fest entgegen fiebern würde und mit noch grösserer Freude sein Nestchen suchen würde. Dass er auswärts natürlich nicht ablehnt, wie ich es vielleicht tun werde, wenn es was Süsses gibt. Ich würde ihn nicht mahnen, oder unter Druck setzen. Wenn er in seiner kindlichen Vorstellung sich auch dazu entscheidet, ohne sich der Konsequenz natürlich gänzlich im Klaren zu sein, dann gibt es Zuhause bis Ostern nichts Süsses, auswärts darf er dann selber entscheiden.

 

Ich stellte ihm bewusst die Wahl, weil es mir wichtig ist, ihn in seiner Persönlichkeiten, seinen Gedanken und Anliegen voll wahrzunehmen und ihn in seinen Entscheidungen so bewusst zu stärken.

 

Einzige Ausnahme, am Sonntag. Da backen wir uns einen schönen Sonntagskuchen und geniessen es so richtig. Und auch an meinem Geburtstag, der immer in die Osterzeit fällt.

 

 

Und der Entscheid zum Fasten war so eine gute Entscheidung.

Nun haben wir ein gemeinsames Projekt, was einen für uns tieferen Sinn hat und uns immer wieder zusammenkommen und diskutieren lässt. Wir haben zusammen etwas, worin wir uns einander unterstützen, ermahnen (das Kind die Mama, nicht umgekehrt) lässt und das auf für ihn, gleicher Ebene.

 

Ich bin gespannt, was es in unserer Familiendynamik, in mir und meinem Körper bewirkt. Ich denke sogar, dass es mehr mit uns macht, als dass wir uns vielleicht gerade denken...

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Über neanoa

"Nea" steht für "neu" und "Noa" für "bewegend" wie auch "ruhend". Etwas Neues, das (Mama)-herzen berührt, sie bewegt und ans Wesentliche erinnern lässt. Hier soll der Sinn in all seiner Tiefe & das Sein in all seinem Schönen gleichermassen Platz zum Wachsen und inspirieren haben. Schlicht, ehrlich und dem Leben ganz nah.  

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