Was mit der Freundschaft passiert wenn der Bauch mehr und mehr wächst..

2 Apr 2017

 

 

Wir standen unter der Dusche im Schwimmbad. Mit dem Rücken zur Wand, den Blick auf das gefüllte Becken vor uns, das bis zum Rande voll war und gelegentlich in kleinen Wellen über das Becken hinüberschwappte. Wir standen da, das Wasser prasselte über uns, das leise Rauschen des Duschkopfes über uns. Stille zwischen uns. Nur die Worte, nur diese einen Worte.

 

Meine beste Freundin und ich. Meine beste Freundin aus Kindheitstagen, meine beste Freundin. Mein sicherer Hafen. Meine beste Freundin, mit der ich meine Gedanken teile. Meine Sorgen und Ängste, meine Hoffnungen teile und von meinen Träumen erzähle. Eben sie.  

 

Ich habe mich das zuvor nie gefragt. Keine Sekunde darüber nachgedacht, was dieses kleine liebe Menschlein in mir, in meinem Bauch, unter meinem Herzen mit unserer Freundschaft machen könnte. Ob ich mich als ihre Freundin für sie verändere, unsere Beziehung zueinander. Unser Umgang sich verändert. Ich habe eben gar nicht daran gedacht.

 

Ich wusste es ganz einfach nicht. Es war eine Frage ohne eine Antwort zu erwarten.  Eine Frage, die als solches im Raum stehen darf. Ohne zu erdrücken, ohne als schwer oder unangenehm empfunden zu werden. Das Wasser prasselte über mein kleines Bäuchlein und  ich spürte das Leben in mir. Eine Weile standen wir so da und schauten gemeinsam auf dieses volle Becken.

 

Eine ganze Weile um danach unsere Runden zu schwimmen.

 

Es war okay, dass niemand von uns eine Antwort fand, wir dies auch nicht erwarteten. Viel mehr spürten wir, dass es wichtig war, dass wir uns durchaus bewusst sind, dass dies eine andere Reise als bisher wird und ich mich unglaublich darauf freue. Und sie ja auch. Es war okay, nicht zu wissen wohin diese Reise geht. Nicht zu wissen ob wir diese so mögen werden oder ob die Veränderung plötzlich als schwierig zwischen uns stehen könnte. Nicht zu wissen ob die gemeinsamen Worte plötzlich rarer werden könnte. Nicht mehr die Selben sind. Nicht mehr verstanden werden könnten. Wir wussten es nicht. Und das war okay.

 

Vielleicht spürte ich etwas Wehmut bei ihr. Ich veränderte mich ja schliesslich. Ich, mein Leben, mein zukünftiger Alltag, der jetzt schon nicht mehr derselbe war. Meine Wichtigkeiten die sich verschoben, neue die dazukamen. Wehmut, dass sie jemanden verlieren könnte, als Person die sie bisher so gemocht hatte, sich ihr vertraut gemacht hat.

 

Und gleichzeitig war ich anfangs unsicher. Unsicher ob mein neuer Inhalt für sie langweilig werden könnte. Sich nicht damit identifizieren könnte oder sich gar aussen vor fühlen könnte. Dass wichtige Themen vielleicht mit einem anderen Zuhörer besprochen werden könnten, als mit mir.

 

Dass wir uns irgendwann nur noch an früheren Geschichten, aus früheren Tagen erinnern könnten und die von morgen immer weniger und belangloser werden könnten.

 

Ich kann mich nicht mehr erinnern, dass wir irgendwann nochmal eine Antwort darauf gefunden hätten oder uns gar darum bemüht hätten, eine zu finden. Viel mehr wussten wir, dass wir wohl bereit waren auf diese Reise unserer Freundschaft. Dass wir den anderen bedingungslos unterstützen und mögen in dem was er tut, in dem war er lebt und liebt. Die Basis einer oder unserer Freundschaft.

 

Wir änderten nichts bewusst. Sahen uns wie bisher. Gingen noch zusammen tanzen, Kaffee trinken und redeten stundenlang über alles was uns bewegte.

 

Sie wusste wann die ersten Wehen einsetzten und bekam nebst Grosseltern und Gotti als Erstes Bescheid, dass der Kleine gesund und wunderschön zur Welt gekommen ist.

 

Sie besuchte uns als eine der Ersten, weil es einfach selbstverständlich war, dass sie dazu gehört beim Zauber dieses Anfanges.

 

In ihrer Glückwunschkarte zur Geburt vom Kleinen standen Worte wie «ich wünsche deinem Kind, dass er einmal genauso einen guten Freund findet wie ich es in dir gefunden habe». Sie besuchte mich Zuhause als ich im ersten Winter mit kleinem Baby irgendwie noch nirgends so wirklich hin kam. Sie, die wohl ganze Nachmittage neben mir auf dem Sofa sass, während ich stillte, wohl ununterbrochen vom Duft meines Babys sprach und wieder stillte. Sie war es die im ersten Sommer an lauen Sommertagen mit uns auf der Wiese am See sass und uns beim Erkunden dieser Welt Gesellschaft leistete, an Tagen an denen alle anderen ganz gewöhnlich arbeiteten. Sie, die Studentin, sie die in den nächsten Jahren immer wieder während mehreren Monaten die Welt bereiste. Die eigentlich mit ganz anderem beschäftigt war als ich. Und doch waren wir immer da. Sie in meinem Leben und ich bei ihrem.

 

Es war wunderbar, hatten wir den anderen eben genau mit diesem anderen Leben. Dem ganz anderen Leben. Ich mochte es von ihrem Studentenleben zu hören, von den Wegen die für sie alle offen standen. Die Weite, die Fülle an Weite. Und gleichzeitig gab es da noch all die Mamathemen, meine Themen. Und es schien, als ob die Waage unserer Freundschaft das ganz gut zu handeln vermochte.

 

Ich weiss noch als sie zum ersten Mal sagte; "weisst du bin ich froh, dass du nicht eine dieser Mamas bist, die nur noch von ihrem Kind spricht." Sie sagte es, obwohl wir wohl beide wussten, dass ich sehr wohl auch eine dieser Mamas bin. Ganz bestimmt sogar. Und trotzdem für sie fühlte es sich anders an, wahrscheinlich machte es den winzig kleinen Unterschied für sie, dass ich sie in meinen Geschichten, in meiner Sicht, in meinem Bewegen und Empfinden nicht ganz vergass, und fragte. Bewusst fragte. Nach ihr und ihrem Leben. Und sie eine Stimme in meinem hatte.

 

Und neulich da wurde es ganz warm um mein Herz, als ich meinem Kind beim Spielen mit seinem Freund zusah um später meiner besten Freundin eine Nachricht zu schreiben «Ich glaube er hat sie gefunden, s e i n e  Eva-Maria»

Share on Facebook
Share on Twitter
Please reload

Über neanoa

"Nea" steht für "neu" und "Noa" für "bewegend" wie auch "ruhend". Etwas Neues, das (Mama)-herzen berührt, sie bewegt und ans Wesentliche erinnern lässt. Hier soll der Sinn in all seiner Tiefe & das Sein in all seinem Schönen gleichermassen Platz zum Wachsen und inspirieren haben. Schlicht, ehrlich und dem Leben ganz nah.  

Please reload

NEANOA'S TOP POSTS
 

#neanoa.com

Please reload

Please reload